FDP-Landtagsabgeordneter Erik Schweickert im Gespräch mit hiesigen Winzern

FDP-Landtagsabgeordneter Erik Schweickert im Gespräch mit hiesigen Winzern

Dielheim / Malsch / Rauenberg. Bei Besuchen in den Weingütern Koch (Dielheim), Becker (Malsch) und Fellini (Rauenberg) informierten der FDP-Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Erik Schweickert und Bundestagskandidat Dr. Jens Brandenburg sich über die Situation und die Anliegen der hiesigen Winzer. Als Professor für internationale Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim und Präsident des Bundes Deutscher Oenologen liegt Schweickert dies am Herzen. Im Gespräch mit den Freidemokraten sprach der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Kraichgau Carsten Wipfler sich dafür aus, einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen durch geschützte Herkunftsbezeichnungen und eine Öffnung der Teilnahme am Fasswein-Markt.

Beim Weingut Fellini in Rauenberg, v.l. Carsten Wipfler, Robert Blum, Iris Fellhauer, Jürgen Abt, Siegfried von Naguschewski, Dr. Jens Brandenburg, Bernhard Fellhauer, Prof. Dr. Erik Schweickert, Tim Fellhauer

Bei der Rebflurbereinigung in Rauenberg und Dielheim dränge, so Wipfler und Bernhard Fellhauer vom Weingut Fellini, die Zeit. „Wenn sich dort erst einmal ein Flora- und Fauna-Habitat gebildet haben, wird die Rebflurbereinigung nicht mehr möglich sein“, mahnte Fellhauer. Beide sprachen sich dafür aus, brachliegende Grundstücke zwecks besserer Bewirtschaftung zusammenzulegen, denn nur so werde der Weinbau sich noch lohnen. Die Frage der weiteren Verwendung des Rebanbau-Bodens könne vor allem dann ein Problem werden, wenn ein Flurstück an uneinige Erbengemeinschaften falle. Um die Zukunft des Weinbaus in Rauenberg und der Region zu sichern, sei aber nicht nur die Rebflurbereinigung nötig. „Es fehlt an ausgebildetem Nachwuchs auch bei den Beamten, die Bodenprüfungen durchführen“, klagte Wipfler. Und Fellhauer ergänzte, dass er trotz schwierigster Wetterbedingungen im vergangenen Jahr durch einen umso höheren Pflegeaufwand und durch mühsame manuelle Auslese der Trauben einen tollen Wein-Jahrgang erzielen konnte. Die jetzige Bundesarbeitsministerin Nahles lege den Winzern dabei aber Steine in den Weg, indem sie für Ausnahmen von der Arbeitszeitregelung eine mehrwöchige Antragsfrist verlange. „Es ist schlicht und einfach nicht möglich, vier Wochen im Voraus das Wetter zu kennen und zu wissen, für wann man eine Arbeitszeit-Ausnahmeregelung beantragen muss, damit die Ernte nicht kaputtgeht!“, schimpfte der Rauenberger Weingut-Inhaber. Erik Schweickert sah dies ebenso und wies darauf hin, dass die FDP für den Einsatz von Saisonarbeitern im Weinbau und auch in der Gastronomie für flexiblere Arbeitszeiten plädiere. Wipfler und Fellhauer ergänzten, dass viele Flüchtlinge gerne in der Landwirtschaft arbeiten würden, dies aber wegen bürokratischer Hemmnisse nicht dürften. Und wer im Weinbau oder in der Landwirtschaft einem Flüchtling eine Ausbildungsstelle geben wolle, habe als Arbeitgeber keine Planungssicherheit. Denn es drohe eine Abschiebung des Auszubildenden in sein Herkunftsland. Nur schulische Ausbildungen seien währenddessen von Abschiebung befreit. Und dies gelte bei dualen Ausbildungsgängen nur für den Blockunterricht, aber nicht für die Praxisphasen. Die Freien Demokraten Schweickert und Brandenburg teilten die Bedenken. Die FDP-Landtagsfraktion hat bereits beantragt, Auszubildende grundsätzlich nicht abzuschieben und ihnen auch für die Dauer von zwei Jahren nach Ausbildungsabschluss ein Bleiberecht zu geben. Denn Ausbildung und Berufstätigkeit seien wesentlicher Bestandteil der Integration. Auch die Fördermittel der EU für Winzer waren Thema des Treffens. Wipfler forderte, diese langfristig planbar zu gestalten. Seitens der FDP sprach Schweickert sich für das „Zwei-Säulen-Modell“ der Förderung durch die EU aus, wobei die erste Säule Direktzahlungen an Landwirte beinhaltet und die zweite auf die Entwicklung des ländlichen Raums zielt.

Beim Weingut Koch in Dielheim, v.l. Cornelia Koch, Friedhelm Koch, Dr. Jens Brandenburg, Prof. Dr. Erik Schweickert, Robert Blum

Im Weingut Koch aus Dielheim trafen Schweickert und Brandenburg auf einen typischen Familienbetrieb. Während große Kellereien bis zu 80 % ihrer Weine über Discounter verkaufen, bediene dieses Weingut nur Privatpersonen und die regionale Gastronomie. Angebaut werde das regional übliche Spektrum der Weiß- und Rotweine, mit einem Schwerpunkt bei den Burgundersorten, zunehmender Beliebtheit erfreue sich der Auxerrois. Friedhelm Koch wies darauf hin, dass sich der Weingeschmack der Kunden von dem extrem trockenen Ausbau hin zu „feinherben“ oder auch halbtrockenen Weinen bewege. Das Weingut Koch gehöre bei den jeweiligen Weinprämierungen dauerhaft zu den Spitzenreitern. Die Politik durfte angesichts der Zusammensetzung der Teilnehmerrunde natürlich auch nicht fehlen. So machte Friedhelm Koch darauf aufmerksam, dass die Überregulierung in der Landwirtschaft zu lästigen Tätigkeiten wie Anträge schreiben und Formulare ausfüllen führe. Deutsche Weinbauverbände sollten gegenüber Vorgaben aus der EU bisweilen mehr Rückgrat zeigen. Solche Vorgaben seien der Grund, warum der Bio-Weinbau sich derzeit sehr schwer tue und bei bestimmten Wetterbedingungen mit den erlaubten Spritzmitteln nicht mehr ausreichend Schutz vor Schädlingen und Pilzbefall bewirken könne. Dies sei auch ein Grund dafür, dass der Bio-Weinbau derzeit stagniere. Die parteiübergreifend akzeptierte Aussage, dass die FDP derzeit im Bundestag fehlt, war bei den FDP-Delegierten natürlich gern gehört. Jens Brandenburg betonte, dass er als Bundestagskandidat gegen jede Art von Überregulierung, für eine soziale Marktwirtschaft, für starke Bürgerrechte und die beste Bildung der Welt für unsere Kinder eintrete. Anlass zum Schmunzeln gab die Feststellung, dass das Weingut Koch als Kaderschmiede für FDP-Karrieren betrachtet werden kann, ist doch eine frühere FDP-Besucherin heute Bürgermeisterin in Leimen und ein anderer Besucher nun Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz.

Beim Weingut Becker in Malsch, v.l. Siegfried von Naguschewski, Robert Blum, Dr. Jens Brandenburg, Rüdiger Haas, Herbert Becker, Prof. Dr. Erik Schweickert, Alexander Becker

In Malsch gab es ein Wiedersehen unter Bekannten: Der studierte Weinbauer und Oenologe Alexander Becker kennt Erik Schweickert noch aus seinen Vorlesungen zur Internationalen Weinwirtschaft. Er begrüßte die FDP-Delegation zusammen mit seinem Vater Herbert auf dem Weingut Becker und berichtete, dass er im laufenden Jahr komplett auf biologischen Anbau umgestellt habe. Schädlinge seien hierbei vor allem der echte und der falsche Mehltau. Die zum Schutz dagegen eingesetzten Kupferpräparate seien so gering wie möglich zu dosieren, da sich Kupfer im Boden anreichert. Und nachdem 2013 der Einsatz des Pflanzenstärkungsmittels Kaliumphosphonat zur Bekämpfung des falschen Mehltaus untersagt wurde, sei ein Streit über dessen Wiederzulassung noch im Gange. Das Weingut Becker gehe nun einen anderen Weg, indem es die Reben nicht zu dicht belaube, so dass keine Feuchtigkeit entsteht, die den Pilzbefall begünstigt.

Als 1981 gegründeter kleiner Familienbetrieb mit acht Hektar Anbaufläche beschäftigt Becker in der Hauptsaison zusätzliche Arbeitskräfte. Den Aufwand für die Mindestlohn-Dokumentation bezeichnete Alexander Becker als „unerträglich hoch“. Jens Brandenburg versprach, sich im Bundestag für eine Entbürokratisierung einzusetzen.

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