Kindergartensituation in Wiesloch

Kindergartensituation in Wiesloch ist angespannt

CDU, SPD und FDP luden Elternvertreter zum Informationsaustausch ein

v.l.: Stadträte Adrian Seidler (CDU), Sonja Huth (SPD), Bernd Lang (FDP)

Die Bildung unserer Kinder ist eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Stadt. Darin sind sich Oberbürgermeister Dirk Elkemann und alle im Stadtrat vertretenen Parteien einig. Selbst in Zeiten, in denen eisernes Sparen angesagt ist, darf auch nach unserer Überzeugung dieser Grundsatz nicht aufgeweicht werden. Und Bildung beginnt schon im Kindergarten, für viele schon in der Kindertagesstätte.

In Wiesloch besteht zwischen diesem politischen und auch gesetzlichen Anspruch auf einen Krippen- oder Kindergartenplatz und den verfügbaren Plätzen leider eine erhebliche Diskrepanz. In der Gemeinderatssitzung vom 24.2.2016 war eine Ausweitung von 30 U3 und 72 Ü3 Plätzen für 2016 bzw. 2017 beschlossen  worden. Laut Sitzung des Ausschusses für Verwaltung, Kultur, Sport und Soziales (VKSS) vom 19.10.2016 fehlen rein rechnerisch zum 1.5.2017 142 Kindergartenplätze, davon für Kinder unter 3 Jahren (U3) 80 Plätze und über 3 Jahre (Ü3) 62. Unser Stadtrat Bernd Lang nahm dies zum Anlass, zusammen mit Stadträtin Sonja Huth (SPD) und Stadtrat Adrian Seidler (CDU) die Elternvertreter der ca. 20 Kindergärten der Kernstadt Wiesloch und der Ortsteile einzuladen, um aus deren Sicht zu erfahren, wie die Wieslocher Eltern die derzeitige Situation bei der Vergabe des raren Gutes „Krippen-und Kindergartenplatz“ erleben.

Die gemeinsame Einladung hatte eine erfreulich hohe Resonanz. Von nahezu allen Kindergärten waren die Elternvertreterinnen bzw. -vertreter einschließlich der Gesamtelternvertreter anwesend.

In einer vertrauensvollen Atmosphäre sprachen die Teilnehmer die Sorgen und Nöte der Eltern offen an und diskutierten diese durchaus konstruktiv. Schnell wurde dabei klar, dass wie oft im Leben die Kommunikation ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, um gegenseitiges Vertrauen zu fördern und Spannungen zu beseitigen. Dabei war es den Eltern wichtig zu erfahren, wieso plötzlich die Engpässe zu Tage treten, und darauf vertrauen zu können, dass die Stadt sorgfältig die Bedarfe an Krippen und Kindergartenplätzen plant, aber auch alles in Ihrer Macht Stehende tut, um diese Engpässe rasch zu beseitigen.

Während in den vergangenen Jahren kaum Probleme bei der Vergabe auftraten, ist insbesondere der veränderte Betreuungsbedarf der Familien, der dazu führt, dass deutlich mehr Ganztagesplätze nachgefragt werden, eine der Hauptursachen für den Engpass an Kinderbetreuungsplätzen. Aber auch durch den erfreulichen starken Zuzug von jungen Familien ist ein großer Platzbedarf entstanden, auch wenn die Stadt dies nach unserer Überzeugung gewissenhaft bei der Planung berücksichtigt hat.

Obwohl viele Projekte zur Schaffung neuer Plätze laufen und einige auch kurzfristig umgesetzt werden, ist abzusehen, dass diese den prognostizierten Bedarf nicht decken können. Aktuell fehlen aber die notwendigen Angebote für weitere Plätze. Aber auch die Elternvertreterinnen und Elternvertreter können ihren Beitrag leisten. Unser Stadtrat Bernd Lang bat daher, die Augen und Ohren offen zu halten und mögliche Räumlichkeiten an die Stadt zu melden.

Neben dem grundsätzlichen Mangel an Plätzen sind es aber auch organisatorische Schwierigkeiten, die der komplexen Aufgabe, die „richtigen“ Kinder auf einen der 20 Kindergärten im erweiterten Stadtgebiet zu verteilen, entgegenstehen. Den gewünschten oder benötigten richtigen Ganztags- oder Halbtagsplatz für Kinder unter drei Jahren oder über drei Jahren zu erhalten, möglichst wohnortnah und dann noch zusammen mit Geschwisterkindern, oder den Verbleib im Kindergarten bei Wechsel von U3 nach Ü3 zu berücksichtigen, ist eine echte Herausforderung. Der verständliche Wunsch nach langfristiger Planungssicherheit von möglichst einem Jahr steht darüber hinaus dem Wunsch nach kurzfristiger Reaktion der Kindergartenträger bei Zuzug oder bei Änderung der individuellen Lebensplanung gegenüber.

Die verschiedenen Vergabekriterien und ihre Prioritäten und die Nachhaltigkeit und Zuständigkeit in deren Einhaltung verursachen ein weiteres Konfliktpotential. Nicht jeder Kindergarten scheint u.a. die Berufstätigkeit der Eltern oder eines Elternteils als wichtiges Vergabekriterium konsequent zu hinterfragen. Auch die Vergabe der Plätze, um die Ausgewogenheit der Geschlechter in den einzelnen Kindergartengruppen sicherzustellen, ist intransparent und verursacht dadurch bei Eltern das Gefühl, unberechtigt abgelehnt worden zu sein. Letztlich sind es die Kindergartenträger, welche über die Vergabe der Plätze entscheiden. Diesen müssen die Eltern bisher teilweise blind vertrauen, dass es gerecht geschieht. Das subjektive Empfinden darüber lässt sich allerdings nur schwer objektivieren, bestenfalls durch mehr Transparenz optimieren.

Auf der letzten Sitzung des Ausschusses VKSS vom 15.2.2017 wurden diese und weitere Problemkreise vorgetragen, aber auch darauf hingewiesen, dass nach Ansicht der Elternvertreterinnen und Elternvertreter die beteiligten Kindergartenträger, aber auch die Mitarbeiter der Stadt schon deutliche Verbesserungen bei dem Onlineanmeldeverfahren erreicht haben. So ist bspw. mittlerweile der Platz auf der Warteliste für die Eltern sichtbar.

Auch wenn nicht für alle angesprochenen Punkte eine Lösung gefunden werden könnte, so versprachen die einladenden Parteien am Thema dran zu bleiben und zeitnah über Zwischenschritte zu informieren. Zur weiteren Vorgehensweise wurde festgelegt, dass die Vertreter der oben genannten Parteien weitere Gespräche mit der Stadtverwaltung und den Trägern der Kindergärten führen und dann abschließend im Ausschuss für Verwaltung, Kultur, Sport und Soziales einen Vorschlag zur Optimierung des Vergabeprozesses abgeben werden. Die Gesamtelternvertreter bedankten sich für die Einladung und für das offene Gespräch.

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