Kinderbetreuung in Wiesloch zu teuer?

Ist die Kinderbetreuung in Wiesloch zu teuer?

Wiesloch. (oé) Wo viele Eltern der Schuh drückt, machte eine Erhebung zur Kindergartensituation in Wiesloch deutlich, welche die Verwaltung kürzlich im Gemeinderat präsentierte. Durchgeführt wurde die Studie im Auftrag der Stadt von Studierenden der Verwaltungs-Fachhochschule Kehl. Sie hatten an alle Wieslocher Familien mit Kindern bis zu sechs Jahren Fragebögen verschickt (1356 insgesamt), um zu erfahren, welche Kinderbetreuung sich die Eltern wünschen und wie zufrieden sie mit den Angeboten in der Weinstadt sind. 33 Prozent der Fragebogen kamen ausgefüllt zurück – und lieferten „überraschende Ergebnisse“. Darin waren sich die Fraktionen am Ende einig – auch wenn es durchaus einschränkende Anmerkungen zur Aussagekraft der Umfrage gab.

Ein Ergebnis zieht sich wie ein roter Faden durch die Studie: Viele Eltern empfinden die Angebote ganz unabhängig von ihren Einkommensverhältnissen als schlicht „zu teuer“. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Eltern das vorhandene Betreuungsangebot nicht nutzen. Häufig angeführt werden als Hinderungsgründe auch, dass die Öffnungszeiten nicht passen oder der gewünschte Betreuungsplatz fehlt. So wünschen sich etwa 43 Prozent der Eltern (soweit sie an der Umfrageaktion teilnahmen) eine ganztägige Betreuung. Ebenso viele würden ihre Kinder gerne schon ab 7 Uhr in den Kindergarten bringen. 50 Prozent sind mit einem Betreuungsbeginn ab 8 Uhr zufrieden. Sogar fast 80 Prozent der Eltern hätten gern, dass die Kindertagesstätten ein Mittagessen für die Kleinen anbieten.

Die Studie ergab auch, dass der Bedarf an Krippenplätzen in der Weinstadt offenbar noch längst nicht gedeckt ist, während es ein Überangebot an Tagespflegeplätzen gibt. Ein Ergebnis, das die Verantwortlichen wohl so nicht erwartet hätten. Auch die Zufriedenheit der Eltern mit den Betreuungsangeboten fällt je nach Stadtteil durchaus unterschiedlich aus. Zwar zeigten sich über 66 Prozent der Befragten insgesamt zufrieden, doch verteilten viele auch die Note „mangelhaft“: In Baiertal mehr als 25 Prozent, in Frauenweiler sogar fast 28 Prozent.

Für Andreas Hoffner, in der Verwaltung für die Kindertagesstätten zuständig, waren diese Ergebnisse „sehr aufschlussreich“. „Was das Monetäre angeht, müssen wir mit den Trägern verhandeln“, lautete sein Fazit. Nötig sei zudem eine größere Flexibilität bei den Öffnungszeiten und ein anderer Angebots-Mix. „Der Elternwille geht eindeutig in Richtung Krippenplätze“, stellte Hoffner fest. Besonders stark ist die Nachfrage nach Krippenplätzen der Studie zufolge in Frauenweiler, wo 36 Prozent der befragten Eltern mit Kindern unter drei Jahren solche Angebote in Anspruch nehmen würden – eine Zahl, die Stadtrat Klaus Adam (Wählergemeinschaft Frauenweiler „nicht ganz nachvollziehen“ konnte.

All diese Fragen sollen nun im zuständigen Ausschuss weiter beraten und vertieft werden, darin war sich das Gremium einig. Dort soll auch noch einmal die Reichweite der Befragung geklärt werden. Dr. Gerhard Veits etwa äußerte die Vermutung, dass nur ein spezielles Klientel auf die Befragung geantwortet hat, nämlich vor allem Familien mit nur einem Kind. Sein Fraktionskollege Kai Schmidt-Eisenlohr verwies außerdem auf den geringen Anteil der Familien mit Migrationshintergrund, die sich an der Umfrage beteiligten. Hier sahen die Stadträte noch Klärungsbedarf.

Gleichwohl zogen sie ihre Schlüsse aus den dargelegten Zahlen. Für Sonja Huth (SPD) war es keineswegs neu, dass die Betreuungsangebote „zu teuer“ sind. Der Gemeinderat kommt ihrer Meinung nach um eine Diskussion über eine einkommensabhängige Sozialstaffelung „nicht herum“. Dass gewünschte Betreuungsplätze fehlten, gab der SPD-Stadträtin „zu denken“. Bisher sei man davon ausgegangen, dass die Krippenplätze „bedarfsgerecht“ seien. Auch nach Ansicht von Freie-Wähler-Stadtrat Dr. Fritz Zeier muss die Stadt darauf reagieren, dass ein Drittel der Befragten unzufrieden mit dem Betreuungsangebot ist. „Zentrales Problem“ aus seiner Sicht ist, dass die Plätze „einen Haufen Geld kosten“, für die Eltern ebenso wie für die Stadt. Zeier sah hier Land und Bund in der Pflicht. Die Betreuungsplätze müssten „mehr gefördert werden“. Dies sollten sich die Parteien „auf die Fahnen schreiben“.

Kritische Worte fand Frauenliste-Stadträtin Karin Becker. Dass auch gut situierte Doppelverdiener „so wenig Geld“ für die Betreuung ihrer Kinder ausgeben wollten, veranlasste sie zu der Frage, was der Gesellschaft ihre Kinder eigentlich noch wert seien. Grünen-Stadtrat Dr. Gerhard Veits nahm die Eltern aber ausdrücklich in Schutz. Seiner Erfahrung nach sind sie durchaus bereit, für ihre Kinder entsprechende Summen in die Hand zu nehmen, wenn Betreuungs-Inhalte und pädagogische Konzepte stimmen. Hier müsse sich die Stadt „besser aufstellen“ und sich mit den Trägern „über Inhalte und Konzepte unterhalten“.

Für die CDU erinnerte schließlich Gerolf Sauer daran, wie viel Geld die Stadt in ihre Betreuungseinrichtungen stecke. Die Kosten lägen wesentlich höher als die Einnahmen aus den Elternbeiträgen. Seiner Meinung nach müsste die Stadt durchaus einmal transparent machen, „was uns ein Platz kostet und wie hoch der Zuschuss ist“. Dass der Stadt ihre Kinder lieb und teuer sind, machte auch der OB deutlich. Seinen Worten zufolge haben sich ihre Aufwendungen für die Kinderbetreuung in den letzten acht Jahren „mehr als verdoppelt“.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung

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